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Freie Presse vom 02.02.2006 Im Folgenden veröffentlichen wir den Original-Inhalt des Interviews. Im Artikel der Freien Presse vom 02.02.2006 wurde stellenweise gekürzt, weil nicht genug Platz für den vollständigen Text zur Verfügung stand. Entschieden gegen Bebaungspläne in der Flußmündung Tobias Mehnert vom Naturschutzverband Freiberg verteidigt Auenlandschaft in Falkenau gegenüber Plänen für Ortsumgehung Flöha |
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In dieser Woche läuft der Erörterungstermin für die geplante Flöhaer Ortsumgehung im kleinen Saal der Stadthalle Chemnitz. Das Regierungspräsidium (RP) und der Vorhabensträger, also die Deutsche Einheit Fernstraßeplanungs- und -bau GmbH (Deges), stellen das Projekt vor und nehmen Hinweise und Einwände auf. Bettina Junge sprach darüber und über andere aktuelle Naturschutzthemen mit dem Chef des Naturschutzverbandes Freiberg, Tobias Mehnert. |
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Freie Presse:
Sie sind doch als größter Gegner des Vorhabens sicher dabei? Sind
Sie privat als Landeigentümer davon betroffen? Tobias Mehnert: Ob ich mit 1,73 Metern der größte Gegner des Vorhabens bin, weiß ich nicht. Aber natürlich ist der Naturschutzverband Freiberg e.V. als Eigentümer des direkt von der Maßnahme betroffenen Auengrundstückes in Falkenau bei der Anhörung dabei. Der Naturschutzverband wird alles daran setzen, dass die Einzigartigkeit des bisher störungsfreien Inselgrundstückes keine nachhaltige oder erhebliche Beeinträchtigung durch das Straßenbauvorhaben erfährt. Freie Presse: In Flöha wird
befürchtet, dass durch Ihre und die Einwände des Naturschutzverbandes
viele Hochwasserschutzmaßnahmen nicht realisiert werden können, weil
Sie Einspruch einlegen. Wird das so sein? Mehnert: Das werden die konkreten
Planungen ergeben. Gegenwärtig bekommen wir den Eindruck, dass ein Teil
der Hochwasserschutzplanungen und deren Priorisierungsversuche
Ausdruck persönlicher Interessenlagen auf kommunaler Ebene sind.
Wir vermissen ein klares Konzept, welches für jeden verständlich ist
und für die Zukunft Schäden durch Hochwasser weitgehend ausschließt. Freie Presse: Können Sie uns
da Beispiele nennen ? Mehnert: Vorm Hochwasser ist man immer dann geschützt, wenn man nicht im Überflutungsbereich siedelt. Mit dem Bau der Neubaublöcke an der Lessingstraße Anfang der 70er Jahre wurde der notwendige Hochwasserabflussraum der Flöha erheblich verringert. Eine nachhaltige Hochwasserschutzplanung sollte die Wiederherstellung des ursprünglichen Abflussraumes zum Inhalt haben. Dies auch angesichts der Tatsache, dass man im hochwassersicheren Sattelgutgebiet Wohnblöcke zurückbaut. Stattdessen hält die Stadtverwaltung Flöha an ihren Bebauungsplänen an der Flussmündung von Flöha und Zschopau und am alten Kläranlagenstandort fest und schränkt so das Abflussprofil der Flüsse weiter ein. Wenn dann CDU-Stadtrat Richter als besonders prioritäre Hochwasserschutzmaßnahme zum Schutz auch seines Hauses den Bau eines „Mäuerchens“ an der ehemaligen Abflussrinne durch den Kirchgarten erkennt, ist das letztendlich nur noch die Krönung des Kleinklein. Menschlich verständlich, aber angesichts des 2002 Erlebten nicht zielführend. Wir verplempern Geld für den Schutz vor einem 100-jährigen Hochwasser und wissen bereits heute, dass so Flutschäden wie 2002 nicht vermieden werden können. Wir vertrauen und hoffen damit ausschließlich auf die Richtigkeit eines statistischen Wertes. Was aber wird, wenn Flutereignisse wie 2002 zukünftig aller 20 Jahre eintreten ? Freie Presse: Sie sollen
verhindert haben, dass Sträucher und Bäume an der Flöha abgeholzt
wurden, das RP ist damals eingeschritten. Haben Sie so gute Kontakte,
oder kann jeder Bürger sich so stark für den Naturschutz machen? Mehnert: Zunächst einmal bin ich froh, dass die naturzerstörerischen Aktivitäten des Bauhofs der Stadtverwaltung am Flöhaufer gestoppt werden konnten. Dies war nicht das erste und, wenn man Beratungsresistenz der Handelnden unterstellt, auch nicht das letzte Mal. Beruhigend ist lediglich, dass wir unserer natürlichen Intuition folgend Täter dieser Art in der Regel auf frischer Tat ertappen. Das Netz der Naturfreunde ist erfreulicherweise ziemlich engmaschig. Das behördliche Handeln ist keine Frage des guten Kontaktes sondern logische Konsequenz gesetzlicher Regelungen. Freie Presse: Was sagen Sie
dazu, dass sich der Naturschutz nicht über den Hochwasserschutz stellen
sollte? Mehnert: Zunächst einmal ist mir
kein Beispiel bekannt, in welchem Hochwasserschutzbelange hinter Belange
des Biotop- und Artenschutzes gestellt wurden. Dahingehend steht also
immer der Mensch im Mittelpunkt. Wenn aber unbelehrbare Menschen ihre
Gebäude im unmittelbaren Überflutungsbereich von Fließgewässern
errichten, sollte man meiner Meinung nach schon eine Neubewertung der
Prioritäten vornehmen. Die Allgemeinheit kann jedenfalls nicht immer für
die Torheit einzelner zur Kasse gebeten werden ! Freie Presse: Die Felsenbirne
darf in neuen Wohngebieten in Niederwiesa nicht angepflanzt werden. Ist
das nicht sehr abwegig, denn der Baum kommt hier vor und wächst wild.
Hat Ihr Verband nicht andere Probleme? Mehnert: Der Naturschutzverband Freiberg hat zu den Wohngebieten in Niederwiesa keine Stellungnahme abgegeben. Wir vertreten auch die Auffassung, dass jeder in seinem Kleingarten nach seiner Fasson leben sollte. Die Debatte um die Felsenbirne in Niederwiesa ist aufgebauscht und übertrieben. Wenn die Gemeinderäte in Niederwiesa berechtigten Einwänden der Vertreter des Naturschutzes soviel Raum einräumen würden, wären zukünftig vielleicht solche Fehlentwicklungen wie die Aufschüttung in der Zschopauaue am Ostknoten vermeidbar ... |