Ist Wasserkraft wirklich ökologisch?

Wasserkraftanlage an der Flöha

Wasserkraftanlage der EnviaM an der Flöha bei Grünhainichen, Landkreis Freiberg

Wasserkraft - nein danke !

Ein unglaublicher Bericht über die Praxis des "grünen Stroms"

oder:

Was der unbelastete Blick junger Menschen zu Tage fördert

Im Sommer und Herbst 2000 absolvierte Susann Lehnert, Auszubildende im 3. Jahr am Berufsschulzentrum Flöha, Fachrichtung Kaufmännischer Assistent mit Schwerpunkt Umweltschutz ein Praktikum beim Naturschutzverband Freiberg e.V.

 Ihre Aufgabe bestand darin, 14 in Betrieb befindliche Wasserkraftanlagen an der Flöha, Regierungsbezirk Chemnitz, Landkreise Mittlerer Erzgebirgskreis und Freiberg hinsichtlich ihrer rechtlichen Betriebsgrundlagen sowie der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu untersuchen. Im Falle von klar erkennbaren Verstößen gegen gesetzliche Vorgaben hatte sie diese bei den zuständigen Behörden anzuzeigen und die entsprechenden Reaktionen auf die Anzeige festzuhalten.

Susann Lehnert erhielt als Arbeitsgrundlage die einschlägigen Gesetze und Verordnungen und ging daraufhin mit dem unbelasteten Blick junger Menschen an die Aufgabe heran.

Ihre Ergebnisse sind frappierend und ernüchternd:

Von 127 Kontrollgängen an 14 Wasserkraftanlagen (WKA) wurde lediglich in 6 Fällen eine Wasserabgabe an den Fluss realisiert, bei der die Ausleitungsstrecke noch das Erscheinungsbild des Flusses als solcher besaß, in 121 Fällen wurde entweder eine fast vollständige Austrocknung des Flussbettes oder eine so minimale Wasserabgabe festgestellt, dass lediglich Pfützen und kleinere Rinnsale die Ausleitungsstrecke kennzeichneten.

In keinem der den zuständigen Behörden gemeldeten Fällen wurde eine praktische Veränderung des Flusszustandes nach der Anzeige festgestellt! Die behördliche Relevanz war gleich Null !

Text der Abschlussarbeit
Fotodokumentation
Übersichtskarte des Untersuchungsgebietes
 
Kartenausschnitte:  
WKA Rauenstein 2, WKA Floßmühle 1 und 2
WKA Nennigmühle und WKA Mühle Görsdorf
WKA ENVIA Borstendorf, WKA Marbach, WKA Priemsmühle, WKA Schloßmühle Leubsdorf
WKA Hohenfichte, WKA Hetzdorf, WKA Falkenau


Ihr Resümee (Auszug aus der Abschlussarbeit):

"In meiner 15-wöchigen Praktikumszeit habe ich einen guten Einblick in meinen Aufgabenbereich bekommen. Bevor ich dieses Praktikum angetreten habe, war ich wie sicher viele andere auch der Meinung, dass Wasserkraftanlagen eine umweltfreundliche Alternative zur Atomenergie sind. Zum einen, weil dies von vielen Seiten oftmals so dargestellt wird und zum anderen, weil ich mich nie sehr ausführlich mit diesem Thema vertraut gemacht habe. Jetzt weiß ich, dass man wohl kaum umweltfeindlicher Energie produzieren kann als die Wasserkraftanlagen, die ich untersucht habe. Das Nichtvorhandensein von Fischaufstiegshilfen an vielen der Anlagen und die zu geringe Wasserabgabe an das Fließgewässer haben beträchtliche Auswirkungen auf den Naturhaushalt unserer Flüsse. Den Fischen ist es oftmals unmöglich ihre Laichplätze flussaufwärts zu erreichen. Und bei der Wanderung flussabwärts endet diese in der Regel vor oder in den Turbinen der Wasserkraftanlagen.

 Außerdem kommt es im Winter zum Zufrieren der Pfützen, die in der Ausleitungsstrecke oftmals das einzige sind, was noch darauf hindeutet, daß es sich einmal um ein Fließgewässer gehandelt hat. Dies hat wiederum enorme negative Auswirkungen auf das Ökosystem Fluss. 

Mir ist es unverständlich, wie die Behörden tatenlos zusehen können wie Fließgewässer durch rücksichtslose Wasserkraftanlagenbetreiber unwiderruflich zerstört werden.  

Den Ämtern fällt ein großer Teil der Schuld an der Zerstörung des Ökosystems Fluß zu, da diese die Möglichkeit haben die Wasserkraftanlagen zu schließen bzw. die Betreiber dazu zu bringen, die Mindestwasserfestlegungen einzuhalten sowie Fischtreppen zu errichten , um die Zerstörung aufzuhalten oder wenigstens einzudämmen. Vielleicht gibt es auch irgendwo Wasserkraftanlagen, welche so gut es geht im Einklang mit der Natur arbeiten und somit dem Anspruch einer umweltfreundlichen Stromerzeugung entsprechen können, aber sicher nicht in dieser Region.

Für mich stellt sich im Ergebnis meiner Beobachtungen und Erfahrungen die Frage, wie das Ökosystem Fließgewässer geschützt und erhalten werden soll, wenn sich die eigentlich dafür beauftragten staatlichen Behörden noch nicht einmal darüber einig sind, welches Amt wann und wo für den Schutz und die Erhaltung der Fließgewässer zuständig ist. 

Angesichts des dokumentierten Tatendrangs der Verwaltungsbehörden und deren Problemlösungsansätze wird sich das katastrophale Erscheinungsbild der Fließgewässer auch in den nächsten Jahren nicht entscheidend verbessern."