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Die Flöhainsel zwischen Falkenau und Flöha - ist Wildnis in Deutschland möglich? |
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Die Flöhainsel zwischen 1998 und 2002 |
Es wird hier die Geschichte eines Naturschutzprojektes mitten in Deutschland erzählt, wo Arten-, Biotop- und Hochwasserschutz Hand in Hand gehen sollten. Seine Umsetzung belegt beispielhaft, welche behördlichen Widerstände zu überwinden sind, um in Deutschland ein Stück Wildnis zu schaffen und zu erhalten. Es begann 1995 mit den Bemühungen unseres Naturschutzvereines, eine ca. 13 ha große, zwischen dem Fluss Flöha und einem Mühlgraben gelegene Ackerfläche bei der Stadt Flöha im Landkreis Freiberg/Sachsen für den Naturschutz zu sichern. An unserem Vorhaben hat es nicht an öffentlichem Interesse gefehlt (Freie Presse 24./25.2.01) . Nur das Mitwirken der Behörden war deutlich kontraproduktiv (Freie Presse 31.3./1.4.01). Dennoch hatten wir im Jahr 2002 mit großer "Unterstützung" des Hochwasserereignisses vom August ca. 10 ha der "Flöhainsel" ins Eigentum unseres Vereines bekommen. Die haarsträubenden Details der Geschichte von 1995 bis 2002 finden sich hier. Aufgrund eines Deichdurchbruches an der Flöha hatte sich auf der Flöhainsel ein neuer Flussarm gebildet und auf den Schotter- und Sedimentablagerungen begann sich ein Weichholzauwald zu etablieren - ganz so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Flöhainsel - nun mehr umrahmt vom Flöha-Altbett, Flöha-Neubett und dem Mühlgraben - sollte ein vollkommen ungestörtes Tierparadies werden, wo die Natur ohne regelnden Einfluss des Menschen wirken kann. Dafür haben wir im Jahr 2003 den Naturschutzpreis des Freistaates Sachsen erhalten. Im Jahr 2007, nachdem mehrmals Hochwasser über die Insel gegangen und neue Schotterablagerungen entstanden waren, konnten wir die noch nicht mit Weidengebüschen bewachsenen, ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen auf unserem Flurstück mit einem standortgerechten Auwald wiederbewalden - die Renaturierung schien gelungen. Aber neue dunkle Wolken zogen auf. Bereits im Jahr 2004 wurde deutlich, dass über die Flöhaaue im Bereich unserer Insel eine Umgehungsstraße im Zuge der Bundesstraße B 173 geplant wird. Ein Brückenbauwerk mit anschließenden Damm sollte die Aue dauerhaft zerschneiden, verlärmen und und für die Natur entwerten. Wieder einmal stand alles auf der Kippe.... aber das ist eine andere Geschichte, und die wird hier erzählt. Unabhängig vom Ausgang unserer
juristischen Auseinandersetzungen mit Straßenplanern und betonverliebten
Genehmigungsbehörden entwickelt sich die Natur auf unserer Flöhainsel
weiter. Nach Beobachtungen unserer Mitglieder im Frühjahr 2008 rufen sowohl der Feldschwirl
als auch der Schlagschwirl. Der Eisvogel ist auf dem Flöhaabschnitt aktiv
und fliegt durch den Deichdurchbruch um die Ecke in Richtung des neuen
Flöhaarmes,
wo er brütet. An der Flöha fliegen sowohl die Blauflügelige
als auch die Gebänderte Prachtlibelle und legen ihre Eier in die
Wasserhahnenfuß-Bestände. Außerdem fliegen Flussjungfern,
wahrscheinlich die Asiatische Keiljungfer. Die Weidenmeisen brüten in den
hohen Bruchweidenbeständen oberhalb des Deichdurchbruches. Ob Wildnis in Deutschland möglich ist - und zwar nicht irgendwo weit weg in einem Nationalpark oder Biosphärenreservat, sondern "gleich um die Ecke" - wird sich spätestens nach Ausgang unseres Klageverfahrens zeigen. Die Geschichte bis hierher zeigt jedenfalls, welche Schwierigkeiten und Widerstände zu überwinden sind, und zwar nicht nur auf der Seite von Behörden und Institutionen, sondern auch bei der Bevölkerung. Das Jahrtausende lang erzählte Märchen "des Herrschers über die Natur", der nur durch seinen unablässigen Kampf gegen die Natur sein Überleben sichern kann, wird jedenfalls immer noch als Wahrheit verkauft - vielleicht so lange, bis die letzte Tier- und Pflanzenart auf der Roten Liste steht.
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Die Flöhainsel 2008 |
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Nach dem Hochwasser 2002: der gleiche Blick aus Richtung Falkenau auf die "Insel". Der Fluss hat eine Schotterfläche hinterlassen. Der Fluss sucht sich ein neues Bett (2002) Ein
neuer Arm der Flöha ist entstanden (2002) |
Das Neubett der Flöha Mitte April 2008. Das Neubett der Flöha Ende April 2008. Die Flöhainsel von oben - Befliegung am 5.4.2008
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