Nachfolgender Text ist die vom Naturschutzverband Sachsen e.V. erarbeitete  Zusammenfassung einer Ausarbeitung der "Bürgerinitiative für den Wiederaufbau  der Pöppelmannbrücke und einen wirksamen Hochwasserschutz für die Stadt  Grimma", welche Gründe, Ziele und Aktivitäten der Bürgerinitiative darlegt.  Weitere Ausführungen dazu finden sich auch auf der Seite des Sächsischen  Heimatschutzes (Denkmalpflege und Hochwasserschutz – warum sollten sie in  Grimma unvereinbar sein?)  Das Hochwasser im August 2002 verursachte erhebliche Zerstörungen in der  Grimmaer Altstadt und beschädigte u.a. die berühmte, von Pöppelmann (Dresdener  Zwingerbaumeister) gebaute Steinbrücke. Im Rahmen der  Hochwasserschutzkonzeption für die Mulden im Regierungsbezirk Leipzig wurde als  wesentliche Ursache für die Überschwemmungen in Grimma die Stauwirkung der  Pöppelmann-Brücke herausgearbeitet.  Das aus diesem Ansatz resultierende Maßnahmenkonzept sah vor:  Die heimat- und denkmalgeschichtlich einmalige Pöppelmann-Brücke (erbaut  1719) soll nicht mehr in ihrer historischen Form wieder aufgebaut werden,  sondern erhält einen 65 m langen, stählernen Brückenbogen, um den  Durchflussquerschnitt der Mulde zu erhöhen.  Vor die mittelalterliche, das Stadtbild prägende Naturstein-Stadtmauer soll eine  bis zu 4 m hohe Beton-Hochwasserschutzmauer gebaut werden. Da damit die Stadt Grimma nicht nur gegen eindringendes Hochwasser, sondern  auch gegen abfließendes Grund- und Oberflächenwasser (Niederschläge,  durchlaufende Bäche) "abgedichtet" wäre, müssen umfangreiche zusätzliche  Entwässerungsmaßnahmen vorgesehen werden (Grundwassermanagement mit  Pumpen, Schöpfwerk, Brunnen und Filtersträngen).  Aufgrund des hohen Sachschadens nach dem Hochwasser 2002 wurden die  Planungen für Grimma priorisiert. Grimma war damit die erste Stadt in Sachsen, wo  derartig umfangreiche technische Hochwasserschutzmaßnahmen planungsrechtlich  vorbereitet und dann auch umgesetzt wurden. Die Mulde in Grimma wurde damit  zum Testfall für den administrativ gewollten, großtechnischen Verbau der sächsischen Flüsse. Nach Bekanntwerden der Planungsinhalte des Hochwasserschutzkonzepts wurde  diese bei den Grimmaer Bürgern kontrovers diskutiert. Viele Bürger, das ergaben  zwei Unterschriftensammlungen, waren mit den vorgeschlagenen Maßnahmen und  deren Auswirkungen auf die historische Altstadt nicht einverstanden. Sie  befürchteten eine Entwertung des historischen Stadtbildes, ein Abschneiden der  Stadt von dem sie prägenden Fluss und Auswirkungen auf Grund- und  Oberflächenwasser, da eine natürliche Entwässerung bei höheren Wasserständen der  Mulde  nicht mehr möglich ist.   Zur Bündelung des bürgerschaftlichen Widerstandes gründete sich daraufhin die  "Bürgerinitiative für den Wiederaufbau der Pöppelmannbrücke und einen  wirksamen Hochwasserschutz für die Stadt Grimma". Der Nobelpreisträgers  Prof. Dr. Günter Blobel/NewYork übernahm die Schirmherrschaft. Unterstützung kam  auch vom Schauspieler Ulrich Mühe/Berlin.   Die Mitglieder der Bürgerinitiative lehnten insbesondere die Verschandelung des  historischen Stadtbildes durch die technischen Hochwasserschutzmaßnahmen ab und  forderten den Wiederaufbau der Pöppelmannbrücke in ihrer ursprünglichen Form.  Gedanklicher Ansatz der Bürgerinitiative war, durch verschiedene bauliche Maßnahmen im  und am Fluss den Wasserspiegel in der Mulde zu senken, um ggf. erforderliche technische  Hochwasserschutzmaßnahmen (Mauern, Pumpen) zu minimieren und die Pöppelmann-  Brücke denkmalgerecht, jedoch mit einem höheren Wasserdurchsatz wieder zu errichten.   Trotz großem Engagements in der Öffentlichkeit sowie im Anhörungsverfahren zur  Planfeststellung und darüber hinaus fanden die Gedanken und Anregungen der  Bürgerinitiative kein Gehör. Statt dessen verfolgte der Vorhabensträger  Landestalsperrenverwaltung Sachsen weiter sein Konzept einer vollständigen  "Einhausung" Grimmas durch Betonmauern einschließlich eines aufwändigen Grund- und  Oberflächenwassermanagements sowie eines "historisierenden" Neubaus der Pöppelmann-  Brücke, was im Planfeststellungsbeschluss des Jahres 2008 seinen Niederschlag fand.   Die planfestgestellten Maßnahmen der Hochwasserschutzkonzeption werden seitdem  umgesetzt, trotz weiter bestehender Kritik von großen Teilen der Bürgerschaft. Kleinere  stadtplanerische und architektonische Änderungen sollen den Bürgern die Verbauungen  schmackhaft machen. Sie werden zudem deutlich teurer als veranschlagt. Die  Hochwassermauer um die Stadt kostet nun statt 23 Millionen € mindestens 30 Millionen €  und der unhistorische Umbau der Pöppelmann-Brücke, im Jahre 2006 mit 3,6 Millionen  €  offenbar viel zu billig kalkuliert, verschlingt nun voraussichtlich 6,4 Millionen €.   Angesichts dieser Zahlen und im Wissen um die Planungs- und Beteiligungsabläufe  drängte sich während des gesamten Planungsverfahrens bei den Mitgliedern der  Bürgerinitiative der Eindruck auf, dass es nicht um effizienten und bezahlbaren, an den  natürlichen Gegebenheiten orientierten Hochwasserschutz geht, sondern um ein Sonder-  Konjunktur-Programm für die Bauindustrie und eine staatlich geförderte  Beschäftigungsmöglichkeit.  Bürgerinitiative zum originalgetreuen Wiederaufbau der Pöppelmannbrücke und  einen wirksamen Hochwasserschutz für die Stadt Grimma   Was bleibt, sind Fragen. Unter anderem diese:   Welchen Einfluss hat das Wehr in der Mulde bei Grimma im Fall eines Hochwassers?   Wer wartet und bedient die mehr als 100 Tore, Klappen, Luken und Fenster in der Hochwasserschutzmauer, nicht  zu vergessen  die Pumpen, Brunnen, Filterstränge und die Mauer selbst?  Was hilft ein theoretischer HQ100-Schutz bei einem Hochwasserereignis wie im August 2002?  Der Naturschutzverband Sachsen e.V. hat die ihm vorliegenden, umfangreichen Ausführungen der “Bürgeriniative zum  originalgetreuen Wiederaufbau der Pöppelmannbrücke und einen wirksamen Hochwasserschutz für die Stadt Grimma”,  aus denen das obige Exzerpt angefertigt wurde, zum Anlass genommen, die Vorgänge zum Hochwasserschutz in  Grimma noch einmal näher zu beleuchten und - wenn möglich - zu verallgemeinern. Denn Grimma ist kein Einzelfall,  ähnliche technisch überdimensionierte Verbaumaßnahmen unter der Überschrift des Hochwasserschutzes laufen  gegenwärtig überall in Sachsen, ob in Döbeln, Flöha, Nossen, Ostritz, Penig, Roßwein usw.  Hochwasserschutz Grimma - Die Erkenntnisse und das Fazit ...[ weiterlesen ]