Mähen oder schützen - die Landwirtschaft entscheidet

über die Wiese

Vortrag des Naturschutzverbandes Freiberg e.V. zum Sächsischen Naturschutztag 1999 in Leipzig (Auszug):

Natur-Schutz umfasst in des Wortes wahrer Bedeutung den Schutz der Natur als solcher, d.h. den wertfreien Schutz aller sich natürlicherweise einstellenden bzw. vorhandenen Entwicklungszustände am Standort. Naturschutz und Landnutzung sind nach diesem Verständnis einander ausschließende Begriffspaare. Landnutzung verändert den Standort zu Gunsten eines Ertrages ausschließlich für den Menschen. Der Landwirtschaft ist dies bereits bekannt. Der Naturschutz definiert sein Selbstverständnis jedoch immer wieder über die Landnutzung. Das geht soweit, dass Naturschutz selbst als eine Form der Landnutzung auftritt. 

Was veranlasst den Naturschutz, sich in Bereiche der Landnutzung einzuklinken?

  • ein falsch verstandener Naturschutzbegriff

  • eine egozentrische Weltsicht

  • Ignoranz ökonomischer Zusammenhänge - der Naturschutz als neuer Landnutzer

Das Ergebnis: Weil das Leitbild der kleinteiligen Kulturlandschaft im Rahmen der konventionellen Landnutzung nicht erreicht wird, tritt der Naturschutz nunmehr selbst als Landnutzer auf. Als der Zuspätgekommene muss er mit dem vorlieb nehmen, was andere aus ökonomischen Erwägungen übriggelassen haben - Feuchtwiesen, Trockenrasen, steile Berghänge, Schluchten. In der Regel außerhalb marktwirtschaftlicher Zwänge werden nun auch diese eigentlich unberührten Gebiete in Form von sogenannter Landschaftspflege vernutzt.

Wie stehen die Chancen des Naturschutzes, innerhalb der bestehenden Landnutzungen Veränderungen zu bewirken?

Beispiel Landschaftspflege: 

Rund 184.000 ha werden im Freistaat Sachsen als Dauergrünland bewirtschaftet. Im Jahr  1999 wurden für insgesamt 5.160 ha Biotoppflegegelder aus dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) ausgereicht. Das ist ein Anteil von ca. 2,8 % an der Grünlandfläche. Es steht damit sicherlich außer Zweifel, dass der Naturschutz keinerlei nennenswerten Einfluss auf die tatsächlichen Landnutzungsformen ausübt. Diese Aussage wird auch dadurch belegt, dass die Zielarten der Landschaftspfleger (Brutvogelgemeinschaften offener Ackerlandschaften und feuchten Grünlandes wie Feldlerche, Kiebitz, Bekassine) weiterhin mit am stärksten gefährdet sind.

  • Indem sich der Naturschutz (Freistaat Sachsen, an der Landschaftspflege beteiligte Naturschutzvereine) dennoch an der Lösung einer für ihn unlösbaren Aufgabe versucht, entstehen folgende Wirkungen nach außen:

  • die Landwirtschaft erhält einen staatlich gestützten Konkurrenten, der keinerlei Marktmechanismen unterworfen ist und dennoch ursprünglich der Landwirtschaft vorbehaltene Arbeiten (Mahd, Viehhaltung zwecks Beweidung) übernimmt

  • landwirtschaftliche Nutzungsformen greifen auf bisher aus ökonomischen Gründen ungenutzte Landschaftsbereiche über 

  • der Naturschutz verplämpert sich in Bereichen, für die er keine Lösung bringen kann, anstatt sich seiner eigentlichen Aufgabe - der Flächensicherung für wirkliche Natur-Entwicklungsräume und der Verhinderung gravierender Eingriffe - zu widmen.

Ergebnis:

Das Festhalten des Naturschutzes an einer landwirtschaftsähnlichen Landnutzung nimmt ihm seine Lobby in der Bevölkerung, welche instinktiv in der Landwirtschaft den Hauptverursacher für Umweltprobleme erkennt. Damit steht der Naturschutz Schulter an Schulter mit einer Minderheit von 3,1 % der Bevölkerung, welche 56,4 % der Landesfläche ihren „Nutzungsstempel" aufdrückt

Landschaftspflege durch den Naturschutz ist noch nicht einmal eine Ersatzlösung - indem sie als Kompromiß ausgeübt wird, bindet sie wertvolle Zeit und Mittel und verhindert damit sogar den wirklichen Schutz der Natur.

Konflikte, welche durch Landnutzungen entstehen, müssen deshalb auch dort geklärt werden. Denn über die Zukunft der Wiesen entscheidet die Landwirtschaft !

der vollständige Vortrag ist hier zu lesen