Die Ortsumgehung FlöhaDie große Kreisstadt Flöha liegt ca. 10 km östlich von Chemnitz im Landkreis Mittelsachsen. IhreEinwohnerschaft schrumpft. Seit 1990 verringert sich die Bevölkerung von 12.950 auf aktuell (2010) 10.300 Einwohner, d.h. umca. 20 %. Bis 2025 nimmt die Bevölkerung voraussichtlich um weitere 16,5 % ab (Ergebnis der 5.Regionalisierten Bevölkerungsprognose Sachsen, Prognose für den Landkreis Mittelsachsen). In der Stadt treffen sich zwei Bundesstraßen ( B 173 und B 180). Die vom StraßenverkehrsamtChemnitz und vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit beauftragtenVerkehrszählungen 1992 und 1995 sowie die Ergebnisse der manuellen Straßenverkehrszählung2005 belegen, dass deren Verkehr seit 1992 - entgegen dem deutschlandweiten Trend zu einerErhöhung - etwa konstant geblieben ist. Der Schwerverkehrsanteil beträgt nur 6 %. Die Stadt Flöhameint dennoch, sie hätte ein innerstädtisches Verkehrsproblem. Eine Eisenbahnunterquerung undjeweils eine Brücke über die Flüsse Flöha und Zschopau sind innerstädtische Engstellen, die demstädtischen Verkehrsaufkommen insbesondere bei Bauarbeiten an der B 180 bzw. B 173 nicht mehrgewachsen sind. Eine Vielzahl von Ampelregelungen tun ein übriges, um die Verkehrsteilnehmer zuden Zeiten des Berufsverkehrs zw. 6.30 und 7.30 bzw. 15.30 und 17.00 Uhr in Flöha zu stressen.Die Lösung des Problems könnte der Bau einer zweiten Brücke über die Flöha und die Einrichtungvon drei Kreisverkehren sein. Kostenpunkt dafür ca. 3 bis 4,5 Mio. € (siehe Projektvorschlag desBUND LV Sachsen e.V.)Die finanziellen Mittel dafür müsste der Freistaat Sachsen aufbringen.Da die Kassen klamm sind, kam man in Sachsen auf die Idee, aus Mitteln des Flutopferhilfefondsdes Bundes eine Umgehungsstraße für Flöha zu finanzieren – Kostenschätzung aktuell: 42 Mio. €. Angesichts der miserablen Haushaltsituation des Staates ist ein solches Ansinnen bereits auskaufmännischer Sicht völlig daneben – wieso sollen 42 Mio. € ausgeschüttet werden, wenn man miteinem Zehntel des Finanzvolumens bereits den wesentlichen Teil des Problems klären kann ?Zweckentfremdeter Einsatz der Fluthilfemittel als LösungMindestens ebenso bedenklich ist die Idee, Fluthilfegelder des Bundes, die nur zurWIEDERHERSTELLUNG der von der Flut 2002 geschädigten Infrastruktur verwendet werdendürfen (siehe Aufbauhilfefondsverordnung vom 24.06.2003) für den NEUBAU einerUmgehungsstraße in Flöha zu verwenden. (Das sieht wohl auch das Bundesministerium derFinanzen als Verwalter des Fluthilfefonds so, denn nach den uns vorliegenden Informationen willman in diesem Hause von Sachsen gar nicht hören, welche Straße mit dem Geld gebaut werdensoll, man möchte die Gelder vielmehr „anonymisiert“ an Sachsen ausreichen um so nicht von derZweckentfremdung der Gelder informiert zu sein).Zweckentfremdet werden die Fluthilfegelder beim Einsatz für die Ortsumgehung Flöha auchdeshalb, weil mit deren Bau Hochwassergefahren verschärft anstatt gemildert werden. Denn nebender geplanten Neuversiegelung von Fläche (Gesamtlänge der Straße 5,9 km, Breite ca. 10 m) solldurch die Straße u.a. die Flöhaaue (d e r Hochwasserausbreitungsraum vor den Toren der StadtFlöha) auf rund 230 m Länge und 40 m Breite durch einen Schüttdamm eingeengt und in denverbleibenden Talabschnitt 9 Pfeiler für ein 270 m breites Brückenbauwerk eingebracht werden.Die "Planungsunterlagen"Ist schon die Mittelbereitstellung bedenklich, belegen die im Juni 2004 ausgelegtenPlanfeststellungsunterlagen, dass der Planungsträger (hier DEGES für die Straßenbauverwaltung)ganz offensichtlich die politisch geprägten Wunschvorstellungen für eine Ortsumgehung in Flöhadurch eine „zurechtgebastelte“ Planung umsetzen zu können glaubt.Wer Näheres wissen möchte -siehe Stellungnahme unseres Verbandes als betroffener Grundstückseigentümer zur Ortsumgehung Flöha.Wieso soll trotz dieser eindeutigen Sachlage das Projekt weiter umgesetzt werden - bzw.: werbraucht die Ortsumgehung wirklich?Ortsumgehung Flöha, Daten:Inhalt der geplantenBaumaßnahme ist der Neubauder B 173 auf einer Länge von5760 m einschließlich allererforderlichen neuenAnbindungen mit insgesamt vonetwa 5700 m sowie derErrichtung von 12 Brücken. ImStadtbereich Flöha handelt essich nicht um eineOrtsumgehung im klassischenSinn, sondern eher um eineneue "Ortsdurchfahrung" ähnlicheiner Hochstrasse, gebündelt mitder Eisenbahntrasse. Dengrößten Landschaftsverbrauchverursachen jedoch die neuenStrassen und Brücken zurAnbindung an das bestehendeStrassennetz. Die längstenBrückenbauwerke sind dieBrücke über die Zschopau (ca.88 m) und die Brücke über dasFlöhatal, östlich von Flöha (ca.273 m). Beide Täler sind alsFFH-Gebiete ausgewiesen.Während auch bei derZschopauquerung eineBündelung mit derEisenbahntrasse erfolgt, soll dasFFH-Gebiet "Flöhatal" an einembisher weitgehend ungestörtenTalabschnitt zerschnittenwerden. Übersichtskarte